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Reisebericht 2011

Reiseberichte

Reisebericht Jerez 13.06.-15.06.2011

Bepackt mit zwei Boxen, die voll mit Sachspenden gefüllt sind, starten wir am 13.06.2011 früh am Morgen zum Flughafen Bremen, um unsere Reise nach Jerez anzutreten.



Mit vielen Gedanken, was wir in Spanien alles erledigen müssen und was uns dort erwartet, sitzen wir im Flugzeug und freuen uns, unsere Tierschutzkollegen und Freunde in Spanien wiederzusehen.
Michael holt uns um 18.00 Uhr in Sevilla ab. Ohne Montse´s Hilfe wäre das nicht möglich gewesen, denn sie hat Marisol und Michael für die nächsten Tage ihr Auto geliehen.
Wir sind bei Manoli, unserer Pflegestelle in Spanien, zu Gast.




Am nächsten Morgen fährt Michael mit uns und den fünf Hunden, die mit uns ausreisen werden, nach Jerez (Gesser), wo die Amts -Veterinär-Tierärztin uns die erforderlichen Traces Papiere für die Hunde nach Untersuchung und Prüfung Dokumente ausstellt. Die Problematik ist, die EU hat diese Bestimmungen eingeführt und doch wird es in Deutschland und Spanien zum Teil unterschiedlich gehandhabt. So stellt in Spanien der Amts-Veterinär-Tierarzt diese Papiere nur ab fünf Hunde aus, was aber lt. deutschem Veterinäramt bereits erforderlich ist, wenn auch nur ein einziger Hund ausreist.



Wie wir diese Unstimmigkeit lösen sollen, ist uns im Moment noch nicht klar, aber wir versuchen alles, damit auch dieser Punkt in Zukunft korrekt ablaufen wird. Ein Besuch bei dem deutschen Konsulat sollte uns Hilfe verschaffen, leider bekamen wir auf unsere Bitte zu einem persönlichen Gespräch nie eine Antwort.
Weiter ging es zur Perrera Jerez, wo man uns vorab anmelden musste, da deutsche Besucher mit sehr kritischen Augen betrachtet werden. Wieder wurden wir darauf hingewiesen, keine Fotos zu machen. Aber auch dieses Mal ließen wir uns davon keineswegs beeindrucken und fotografierten und filmten heimlich.




Wie auch im letzten Jahr war es ein Bild des Jammers. U. a. warten viele junge, liebe und schöne Hunde auf ihren Tag X.




Es befinden sich z. Zt. 22 Welpen in der Tötung, die verzweifelt an den Gittern hochsprangen und weinten…..es zerriss uns das Herz. Bis die Kleinen sich irgendeine Krankheit einholen, ist es nur eine Frage der Zeit, denn fast alle Welpen besitzen keinen Impfschutz.





Auch die Trennung von den Müttern bei diesen jungen Hundekindern und die enorme Hitze machen den Hunden sehr zu schaffen.
Zwei total verfilzte und verdreckte, zum Teil vollgekotete Pudel teilen sich einen Zwinger, ein Bild zum Weinen. Wie schön sie mit gepflegtem Fell aussehen könnten, kann man nur erahnen.





Zwei von den Hunden sind verletzt. Wir vermuten bei dem einen eine gebrochene Pfote, denn er belastet sie nicht. Und die Pfote baumelt nur herunter. Ärztliche Versorgung: FEHLANZEIGE!



Der andere arme Hund hat große Probleme mit und um die Augen herum, er sah so unendlich traurig aus.



Wir treffen einen alten Bekannten, einen Husky, der seit zwei Jahren in der Tötung sitzt. Er hat einen Chip und darf nach spanischem Tierschutzgesetz weder getötet noch vermittelt werden.



Was für ein tristes, trostloses Leben im Zwinger.

Wir möchten einige der Welpen sichern und in der Residence (Pension) unterbringen, aber wir werden ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Die Pension nimmt keine ungeimpften Hunde auf.
Die Babies müssten umgehend aus der Perrera geholt und geeimpft werden, dann drei Wochen in einer spanischen Pflegestelle untergebracht werden, bis die Residence sie aufnehmen würde. Marsiol hat sich die Finger wund telefoniert, ohne Erfolg. (Urlaubszeit, niemand nimmt Hunde auf). Wo sollen die Kleinen Zwerge also hin??? Wir haben keine Lösung und sind verzweifelt, bekommen die Bilder nicht aus unseren Köpfen. Jeden Tag, den die Welpen länger in der Tötung sitzen, schwindet die Chance, auch nur einen von ihnen retten zu können.
Niedergeschlagen fahren wir zurück und unsere Gedanken sind bei den armen Hunden, deren Schicksal ungewiss ist.

Noch im Auto bekommt Michael einen Anruf von Marisol. Eine Frau möchte ihren Welpen schnellstens los werden. Der Welpe heißt Linda und ist die Schwester von unserem erst vor Kurzem vermittelten Luis.
Als wir vor Marisols Wohnung eintreffen, sehen wir eine zuckersüße braun-weiß gelockte Maus mit Frauchen und einem ca. 10-jährigen Mädchen an der Straße stehen. Die Frau hatte eine Plastiktüte mit Hundedecken dabei (alles schon zur lieblosen Abgabe des Hundes bereit….ohne Worte). Der Hund zieht hektisch an der Leine und sehr unruhig. Wie wir später erfahren, wurde Linda bei dieser Familie nur in der Toilette gehalten. Seit vier Monaten bestand Lindas Welt aus einem gefliesten Raum. Wir sind fassungslos.



Wir werden für Linda die Pensionskosten bezahlen, bis wir für sie eine Pflegestelle in Deutschland gefunden haben.
Alternative für Linda, hätten wir nicht reagiert, wäre die Perrera gewesen.
Nach der Übergabe von Linda an uns sind die Frau und das Mädchen ohne mit der Wimper zu zucken oder traurig zu sein, gegangen……..was für Menschen…….
Dann kommt der nächste Anruf. Es wurde ein Hund auf einem verlassenen Fabrikgelände gefunden. Marisol fährt sofort dort hin, denn sie hat Hoffnung dass es Pinto ist, der ihr vor zwei Wochen in Spanien, nachdem er sich beim Spaziergang erschreckt hat, weggelaufen ist.
Nach eine halben Stunde kommt Marisol zurück. Leider ohne Pinto, aber sie hat den neuen Findling dabei, einen schmutzigen, ängstlichen Bodeguero . Wir gehen sofort zur Tierärztin, die den Kleinen anschauen soll.







Wir geben ihm dem Namen Joey und wie sich herausstellt, ist Joey noch ein halbes Baby von ca. sechs Monaten. Der Hund hat so traurige Augen und wirkte wesentlich älter. Joey hat Flöhe, ansonsten geht es ihm gut. Er ist sehr verängstigt, denn der Kleine weiß ja gar nicht was jetzt mit ihm passiert. Auch für ihn werden wir die Pensionskosten übernehmen.
Marisol hat ihn dann am nächsten Tag geduscht und heraus kam ein wunderschöner Bodeguero!! Als er merkte, dass es alle gut mit ihm meinen, ist Joey auch schon aufgetaut!





Für diesen lieben Hund suchen wir dringend eine gute Pflege- oder Endstelle.
Dieses sind nur einige Eindrücke aus Marisols und Michaels täglichem Leben in Spanien…….gewidmet den Hunden…..keine ruhige Minute, kein Planen ist möglich, es passieren fast täglich unvorhersehbare Dinge……Wir verstehen den Spruch der beiden sehr gut, "dass sich kein Mensch vorstellen kann, wie die Tage verlaufen und was dort in Spanien bezüglich der Hunde los ist"…….
Mittwochvormittag haben wir dann mit Michael die Residence in Puerto Santa Maria besucht, in welcher unser Wasserhund "BUBA" untergebracht ist.

Wie im letzten Jahr kam es uns die Residenz, nach dem Besuch der Perrera, wie ein Paradies für Hunde vor.
Ausläufe, Hundegesellschaft, Futter, 1 x täglich rennen und spielen auf einer eingezäunten Wiese. Auch, wenn dieses alles niemals ein Ersatz für eine liebe Familie ist, ist es dennoch im Gegensatz zu der Tötung das wahre Paradies.
Endlich durften wir nun unseren BUBA kennenlernen! Er ist einfach ein so lieber, bildschöner Traumhund! Er hat sich sehr gefreut, als wir ihn aus dem Zwinger ließen, ist gerannt, hat gespielt und mit uns geschmust! Buba leidet sehr in der Residenz, da gerade die Wasserhunde die enge Bindung an "ihre" Menschen brauchen.




Wir suchen dringend eine gute PS oder eine Endstelle für diesen bildschönen, braven Perro de agua.
Nach dem Besuch der Residence ging es dann auch leider auch schon wieder ans Packen…….
Nach einem sehr herzlichen Abschied von Marisol und Manoli brachte Michael uns mit Kimi, Aloe, Olaf, Chirin und Pimienta zum Flughafen Jerez.
Die Hunde wurden problemlos eingecheckt, Chirin durfte bei uns in der Kabine mitfliegen!
Zwischenlandung Palma, weiter Richtung Bremen.
Dort wurden wir dann sehr herzlich von Astrid und Timo aus Jever empfangen, welche unseren ALOE als Pflegehund aufgenommen haben!




Auch unsere Andrea aus dem Team war mit Jan am Flughafen, um Olaf in Osnabrück an unsere Susanne zu übergeben, welche den kleinen Mann dann am nächsten Tag in seine Pflegestelle gebracht hat (Olaf zieht in zwei Wochen in sein endgültiges Zuhause).



Danke an euch alle!

In der Nacht haben wir dann mit Jochen, der uns am Flughafen abholte, dann noch die kleine Pimienta zu ihrer "Mama" in Wilhelmshaven gebracht, wo sie sehnsüchtig erwartet wurde.
Kimi und Chirin waren mit dabei, da die beiden in Schortens als Pflegis bei Heike und Bine untergebracht sind und auf die richtigen Familien warten!
Es waren anstrengende Tage mit vielen schlimmen Bildern, die wir erst nach und nach verarbeiten können. Aber es ist uns enorm wichtig, den persönlichen Kontakt zu unseren Tierschützern vor Ort zu halten und uns ein Bild vor Ort von der Situation zu machen.
Unser ganzer Respekt gilt Marisol und Michael, denen wir weiterhin mit allen Kräften helfen werden.

Spanien ist ein schönes Land um Urlaub zu machen, für viele Tiere in diesem Land ist es die Hölle.





Sabine Bijnen und Daniela Röthele von Hunderettung-aktiv e.V.

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